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Magische Daten oder Aberglaube?

Heute ist der 11.12.13 - mein Leben wird sich grundsätzlich wandeln, verspricht mir eine Hellseherin per Email. Mal ganz davon abgesehen, dass ich bis jetzt noch nichts davon bemerkt habe: Der Gedanke an "magische Tage" ist zwar eigentlich völlig absurd. Aber dieser 11. Dezember bleibt trotzdem immer in meinen Gedanken - allerdings der aus dem Jahr 2006. Es war der Tag, an dem ich meine Muttter verlor, auch wenn sie erst im März des darauffolgenden Jahres verstarb. Jener graue Dezember-Tag brachte den morgendlichen Anruf, dass eine Tumor-Entfernung in einer Dresdner Klinik nicht erfolgreich war. "Infarkt in Kleinhirn", beschrieb mir der mit osteuropäischem Akzent sprechende Weißkittel die Situation. "Ihre Mutter ist todkrank - und die Betonung liegt auf..." Mehr musste er nicht sagen. Ich schlich mich dann irgendwann in den Trakt, in welchem die Komapatienten erst operiert und dann "aufbewahrt" werden. Glaubt mir: Dieses beklemmende Gefühl von Angst, Nutzlosigkeit, Trauer lässt sich nicht beschreiben. Ein kleiner Vorraum, ein unendlich langer Gang, zweimal links - und schon stehst Du mittendrin in einem trostlosen, kalten Raum - belegt mit im Koma liegenden Menschen. Von überall ist dieses typische Piepen der Armaturen in einem OP-Saal zu hören. Auf kleinen Bildschirmen flimmern die Blutdruck-, Puls-, Herz- und Medikamentenwerte. Aller Minuten schaut eine Schwester in den Raum, dreht ein Rädchen am Tropf - dann bist Du wieder allein mit Deiner Hilflosigkeit. Nirgends und zu keinem Zeitpunkt habe ich jemals schlimmere innere Momente gefühlt. Der 24. Dezember jenes Jahres, der Heilige Abend, stand unter keinem guten Stern. Mit meinem lieben Vater saß ich über Stunden am Nachmittag an Mutters Bett. Die Blicke leer, geredet wurde kaum, hier und da ein Flüstern. Die Krankenschwestern machten Dienst, so gut es geht an solch einem Tag an solch einem Ort. Von weither ein Lachen. Gespenstisch! Weihnachten ist seitdem für mich nicht mehr das, was es sein sollte und mal war. In die Freude mischt sich Trübsinn. Immer wieder. Jedes Jahr. Meine Mutter war eine lebenslustige Frau, immer für einen Scherz zu haben. Die Familie ging ihr über alles. Sie suchte nach Harmonie, vermittelte, moderierte. Sechs Wochen vor ihrem 70. Geburtstag starb sie, ohne noch einmal aufgewacht zu sein nach jenem grauen Dezembertag. Warum die OP damals nicht erfolgreich war - wir werden es wohl nie erfahren. So bleiben nur Spekulationen über den "Infarkt in Kleinhirn". Eine Halbwahrheit, die ich bis zu meinem Lebensende in mir tragen muss.

11.12.13 16:44

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